Lectio Divina: Betend die Bibel lesen
Eine alte christliche Methode des betenden Bibellesens in fünf Schritten
Lectio Divina (lateinisch für „Göttliche Lesung") ist eine alte Methode des betenden Bibellesens, deren Wurzeln in die frühe Kirche zurückreichen. Bereits Origenes im 3. Jahrhundert und Ambrosius von Mailand im 4. Jahrhundert übten und lehrten das betende Lesen der Schrift. Ihre klassische Vierschrittstruktur erhielt die Lectio Divina durch den Kartäusermönch Guigo II., der sie in seiner Schrift „Die Leiter der Mönche" (Scala Claustralium) im 12. Jahrhundert darlegte. Die benediktinische Tradition übernahm und verbreitete diese Praxis weit über die Klostermauern hinaus. Das Zweite Vatikanische Konzil ermutigte alle Gläubigen, sich der Lectio Divina zu widmen.
Anders als das Bibelstudium, das einen Text analysieren und verstehen will, sucht die Lectio Divina die Begegnung mit Gott durch sein Wort. Die Praxis durchläuft fünf Stufen: Lectio (Lesung), Meditatio (Betrachtung), Oratio (Gebet), Contemplatio (Beschauung) und Actio (Handeln). Jede Stufe führt tiefer, von der Oberfläche des Textes zu einem Ort des stillen Ruhens in Gottes Gegenwart und schließlich zu einem veränderten Handeln im Alltag. Eine vollständige Sitzung dauert in der Regel 20 bis 30 Minuten, aber auch kürzere Einheiten können fruchtbar sein.
Papst Benedikt XVI. nannte die Lectio Divina „eine Praxis, die eine echte Verwandlung im Leben derer bewirken kann, die sie pflegen". Sie erfordert keine besondere Ausbildung, nur eine Bibel, einen ruhigen Ort und die Bereitschaft, langsamer zu werden und zuzuhören.
Schritt-für-Schritt-Anleitung
Lectio (Lesung)
Wähle einen kurzen Schriftabschnitt, nicht mehr als 10 bis 15 Verse. Lies ihn langsam und aufmerksam, als wäre es das erste Mal. Versuche nicht, zu analysieren oder zu deuten. Höre einfach auf die Worte. Wenn du allein liest, erwäge, laut zu lesen. Lies den Abschnitt zwei- oder dreimal. Bemerke, welches Wort, welcher Satz oder welches Bild deine Aufmerksamkeit fesselt. Dies ist keine intellektuelle Übung. Lass den Text über dich kommen.
Meditatio (Betrachtung)
Richte deine Aufmerksamkeit auf das Wort oder den Satz, der bei der Lesung hervorgetreten ist. Wende ihn in deinem Geist hin und her. Frage dich: Warum hat gerade dieses Wort meine Aufmerksamkeit gefesselt? Was sagt Gott mir dadurch? Wie hängt es mit meinem Leben zusammen? Das ist wie das Kauen einer Speise, um ihren Geschmack zu entfalten. Bleibe bei dem Wort oder Satz, solange er deine Aufmerksamkeit hält. Mach dir keine Sorgen, im Abschnitt voranzukommen.
Oratio (Gebet)
Antworte nun Gott im Gebet auf das, was während der Betrachtung aufgestiegen ist. Das kann Lob sein, Bekenntnis, eine Bitte, Dankbarkeit oder einfach das Aussprechen dessen, was du empfindest. Dein Gebet fließt natürlich aus dem Text und deiner Besinnung darauf. Sei ehrlich und persönlich. Dies ist kein formales Gebet, sondern ein Gespräch von Herz zu Herz, angestoßen durch das, was Gott dir durch sein Wort gesagt hat.
Contemplatio (Beschauung)
Lass Worte und Gedanken los. Ruhe einfach in Gottes Gegenwart. Dies ist der anspruchsvollste Schritt für Anfänger, weil unser Geist ständig etwas tun will. Beschauung bedeutet Sein, nicht Tun. Du denkst nicht über Gott nach, du bist bei Gott. Wenn Gedanken oder Ablenkungen kommen (und sie werden kommen), lass sie sanft los und kehre zur Stille zurück. Selbst wenige Minuten dieses stillen Ruhens können zutiefst nährend sein. Manche Sitzungen fühlen sich an, als wäre nichts geschehen, aber vertraue der Praxis.
Actio (Handeln)
Guigo II. erkannte, dass eine echte Begegnung mit Gott verändert, wie wir leben. Nimm das, was du in der Lectio Divina empfangen hast, mit in deinen Alltag hinein. Frage dich: Welchen konkreten Schritt legt mir Gott heute nahe? Vielleicht ist es ein Wort der Versöhnung, ein Akt der Nächstenliebe, eine Veränderung einer Gewohnheit oder einfach eine innere Haltung, die du den Tag über bewahren möchtest. Die Actio schließt den Kreis: Gottes Wort ist nicht nur zum Hören da, sondern zum Tun (Jakobus 1,22). Die Frucht des betenden Lesens zeigt sich im gelebten Alltag.
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